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Was heißt eigentlich „repräsentieren“? Jugendliche auf ihre Aufgaben in der Schülervertretung vorbereiten

Die Mitglieder im Schülercomité vertreten die Schülerschaft in verschiedenen Gremien einer Schule sowie auch auf regionaler oder nationaler Ebene. Dabei treffen die Jugendlichen auf Vertreter*innen von Schulleitung, Lehrer*innen, Eltern oder auch Politiker*innen und können auf Augenhöhe mit den Erwachsenen diskutieren und mitbestimmen. Dazu braucht es Vorbereitung. Die beiden hier vorgestellten Übungen können dabei helfen.

Schülercomités werden in der Regel von einer neutralen, meist aus dem Schulpersonal einer Schule stammenden Person begleitet. Schülercomité-Begleiter*innen sind Vertrauenspersonen für die Jugendlichen, die ihnen beratend zur Seite stehen, ohne die Arbeit des Schülercomités nach ihrem Willen zu beeinflussen. Nach den Wahlen unterstützen sie die Schüler*innen beim Teambuilding, coachen das Vertretungsgremium während des Schuljahrs und helfen bei der Regelung von Konflikten.

Zwischen Weltfrieden und Kickerturnier – Ziele abstecken und Grenzen ausloten

Die Begleiter*innen sollen den Jugendlichen u.a. auch helfen zu verstehen, dass Fehler erlaubt sind und man manchmal nicht alles durchsetzen kann. Früh merken die Schüler*innen, dass das Vertreten der Interessen nicht immer auf Zustimmung stößt. Die Schulleitung hat teilweise andere Interessen oder ist es ganz einfach nicht gewohnt, dass Schüler*innen sich gleichberechtigt einbringen. Deshalb ist es wichtig, gerade am Anfang gemeinsam mit den Jugendlichen ihre Rolle sowie Chancen und Grenzen der Repräsentation zu reflektieren. Hilfestellung bietet hierbei die CNEL (Conférence Nationale des Élèves du Luxembourg), die nationale Schülervertretung (siehe Kasten).

Bei der Positionsübung: Was heißt eigentlich Schülervertretung? geht es um die bewusste Auseinandersetzung mit den Rechten und Pflichten der Schülervertretung. Welche Aufgaben übernimmt eine Schülervertretung und welche Aufgaben gehören nicht dazu? Die Schüler*innen positionieren sich zu verschiedenen Fragen, wie z.B. „Das Schülercomité ist der direkte Ansprechpartner für die Klassensprecher*innen aller Klassen.“ oder „Das Schülercomité ist an einer Schule nur für die Durchführung von Festivitäten zuständig (z.B. Schulfest, Schulparty).“ Jede einzelne Aussage bietet Anlass zur Diskussion. So können einerseits Fragen rund um Rechte und Pflichten geklärt, aber auch Erwartungen und Ziele geprüft und abgesteckt werden.

Das Material Simulationsübungen: Wie reagiere ich in bestimmten Situationen? greift Situationen auf, die Schüler*innen in der Schülervertretung erleben können, mit denen sie vorher noch nie konfrontiert waren. Um in diesen Momenten besser reagieren und handeln zu können, bieten sich Simulationsübungen an, um verschiedene Optionen durchzuspielen, das eigene Verhalten zu trainieren und auch zu reflektieren. Das Material bildet typische Situationen ab, wie z.B. Meinungsverschiedenheiten im Gremium, unkooperative Schulleitungen, Mitglieder, die ihren Aufgaben nicht nachgehen, u.ä. Wichtig ist hierbei die bewusste Auseinandersetzung mit dem Erlebten in der Metareflexion.

Im Rollenspiel trainieren die Schülervertreter*innen typische Situationen ihrer Arbeit.

Die ersten Repräsentationserfahrungen prägen viele Schüler*innen und helfen ihnen dazuzulernen, auch für ihr späteres Leben. Wenn die Arbeit Spaß macht und Erfolge sichtbar sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Schüler*innen auch nach ihrer Schullaufbahn Gefallen finden, sich weiter zu engagieren.

CNEL

Kontakt

Die Conférence Nationale des Élèves du Luxembourg (CNEL) ist die nationale Schülervertretung. Jede luxemburgische Schule sendet zwei Vertreter*innen in die nationale Schülervertretung, die somit ein wichtiges Sprachrohr für die Schülerschaft des Landes darstellt. Die CNEL organisiert verschiedene Veranstaltungen, um die Schülervertretungen auf ihre Aufgaben vorzubereiten, Sozial-und Methodenkompetenzen zu stärken, Besprechungen vorzubereiten, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Darüber hinaus bietet sie den Jugendlichen konkrete Hilfestellung bei der Umsetzung eigener Ideen. Mehr dazu unter www.cnel.lu.





Vanessa Reinsch

Vanessa Reinsch studierte Sozialpädagogik und Evangelische Theologie für das Lehramt an der TU Dortmund. Sie arbeitet als Sozialpädagogin an einer luxemburgischen Sekundarschule und am Zentrum fir politesch Bildung.

Autor*in(nen):

Vanessa Reinsch (2020)

Titel:

Was heißt eigentlich „repräsentieren“? Jugendliche auf ihre Aufgaben in der Schülervertretung vorbereiten

Erschienen in Ausgabe:

05 / 2020 - Schülervertretung, S. 28-30.

Stichwörter:
Arbeitsmaterialien
  • Positionsübung
  • Simulationsübungen
Zitiervorschlag:
Vanessa Reinsch (2020) : Was heißt eigentlich „repräsentieren“? Jugendliche auf ihre Aufgaben in der Schülervertretung vorbereiten, in: mateneen 05 / 2020 - Schülervertretung , S. 28-30. Online unter: https://seafile.rlp.net/f/02fa56f2fba04dad8305/?dl=1