Glossar

Aktuelle Stunde

Die Aktuelle Stunde ist eine Methode, bei der Lernende eine aktuelle politische oder gesellschaftliche Problemfrage kontrovers diskutieren. Im Mittelpunkt steht nicht Wissenserwerb, sondern der Austausch von Argumenten und unterschiedlichen Meinungen zur Förderung politischer Urteilskompetenz.

Beutelsbacher Konsens

Der Beutelsbacher Konsens fasst drei grundlegende Ansprüche an politische Bildung zusammen. Lernende dürfen in ihrer politischen Urteilsbildung nicht überwältigt, sondern sollen befähigt werden, ihre Interessen zu erkennen und in den politischen Diskurs einzubringen. Dafür gilt: „Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.“

Bildung, non-formale

Unter non-formaler Bildung wird beabsichtigtes, freiwilliges und selbstgesteuertes Lernen außerhalb klassischer Bildungsinstitutionen (formale Bildung), beispielsweise in Vereinen oder Jugendhäusern, verstanden, während informelle Bildung die beiläufige Selbstbildung in unmittelbaren Lebenszusammenhängen umfasst.

Demokratie als Herrschaftsform, Lebensform, Gesellschaftsform

Die von Gerhard Himmelmann ausgeführte Dreiteilung geht über die Dimension von Demokratie als Herrschaftsform, die beispielsweise das Rechtsstaatsprinzip fasst, hinaus. Neben der Dimension der Lebensform wird Demokratie als Gesellschaftsform beschrieben. Hier liegt unter anderem ein Fokus darauf, wie Demokratie in Form von Pluralismus in der Gesellschaft gestaltet und gefestigt ist

Demokratiekompetenz

Zur Demokratiekompetenz werden die Fähigkeiten zur Perspektivenübernahme und diskursiven Klärung von Konflikten, zur Bewertung gesellschaftlicher Problemlagen und zur Beteiligung an bürgerschaftlicher Selbstverwaltung, sozialen und politischen Initiativen und an öffentlicher Meinungsbildung gezählt.

Demokratiepädagogik

Demokratiepädagogik umfasst handlungs- und erfahrungsorientierte Konzepte zur Förderung demokratischer Kompetenzen, insbesondere durch die demokratische Gestaltung von Lernkultur, Schulleben und außerschulischen Lerngelegenheiten.

Dewey, John

John Dewey (1859-1952) gilt als Begründer handlungs- und projektorientierten Lernens („learning by doing“). In „Demokratie und Erziehung“ (1916) fordert er eine demokratische Gestaltung von Schule und Unterricht, in der Demokratie als gesellschaftliche Lebensform erfahren und erlernt werden könne.

Feedbackkultur

Der Begriff Feedbackkultur im partizipativen Unterricht beschreibt eine fest etablierte Struktur, in der sich die hieran Beteiligten Rückmeldungen geben und empfangen. Basierend auf den Rückmeldungen werden dann gemeinsam Entscheidungen getroffen und umgesetzt.

Flipped Classroom

Flipped oder Inverted Classroom bezeichnet ein Unterrichtsformat, in dem die Lerninhalte von den Lernenden zu Hause mit Hilfe digitaler Lerneinheiten eigenständig erarbeitet werden und hierdurch im Unterricht mehr Zeit für Übung, Anwendung und Diskussion besteht.

Fokusgruppen

Fokusgruppen bestehen aus jeweils 6 bis 10 gezielt ausgewählten Expert*innen aus den einzelnen Statusgruppen, die in einem moderierten Gespräch die Ergebnisse der Potentialanalyse gemeinsam diskutieren, interpretieren und Ideen für die mögliche Schulentwicklung entwerfen. Die Vorschläge gehen in die Ausarbeitung des konkreten Schulentwicklungskonzepts ein.

Ich-Botschaften

Mit Hilfe der vom US-amerikanischen Psychologen Thomas Gordon entwickelten Ich-Botschaft lässt sich Kritik nicht als Angriff auf den Gesprächspartner (Du-Botschaft), sondern als konfliktmildernde Selbstoffenbarung formulieren, in der der Sprecher seine Gefühle und Meinung ausdrückt (Gordon-Modell).

Leitbild

In einem Leitbild oder Schulprogramm beschreibt die Schulgemeinschaft ihre pädagogischen Selbstverständnisse, Werte, Ziele und thematischen Schwerpunkte. Als Orientierungshilfe für die eigene Arbeit und für Außenstehende sollte auch das demokratiepädagogische Konzept mit seinen aufeinander abgestimmten Methoden und demokratischen Strukturen in Unterricht, Schulleben und Schulorganisation festgehalten werden.

Leiter der Partizipation

Die sog. Leiter der Partizipation graduiert acht Beteiligungsformen, die von lediglich vorgetäuschten Mitsprachemöglichkeiten bis hin zu möglichst autonomen und selbstgeführten Formaten reichen.

Lernen durch Lehren (LdL)

Pädagogisches Gesamtkonzept, das in den 1980ern vom französischen Didaktiker Jean-Pol Martin begründet wurde. Es bezeichnet eine Unterrichtsmethode, bei der Schüler*innen sich gegenseitig unterrichten und so gemeinsam Wissen konstruieren.

Lewin, Kurt

Der Psychologe Kurt Lewin (1890-1947) unterscheidet zwischen einem demokratischen, autoritären und Laissez-faire-Erziehungsstil, wobei der erste die Entwicklung von Kindern zu Eigenverantwortung und Kreativität unterstütze, die anderen tendenziell zu Verunsicherung, Aggressivität und Frustration führten.

Medienkompetenz

Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien zu kennen (Medienkunde), nach eigenen Zielen und Bedürfnissen zu nutzen und zu gestalten (Mediennutzung und -gestaltung) und sie in Bezug auf das Individuum und die Gesellschaft zu reflektieren (Medienkritik).

MOOC

Als MOOC (Massive Open Online Course) werden offen zugängliche Onlinekurse bezeichnet. Sie bestehen in der Regel aus Lernvideos, Texten, Arbeitsaufträgen und Foren, in denen Lehrpersonen und Lernende miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten können.

Open-Educational-Ressources

Open Educational Resources (OER) sind kostenlose, (lizenz-)freie Lehr- und Lernmaterialien. Mit ihrer u.a. von der UNESCO unterstützten digitalen Bereitstellung geht die Vision einher, globale Bildungsbenachteiligungen abzubauen und Bildungsbemühungen zu stärken.

Pädagogik der Anerkennung

Im Kontext einer Pädagogik der Anerkennung wird betont, wie bedeutsam es ist, dass Menschen Anerkennung entgegengebracht wird. Dieses Erleben wirkt sich auf die Wahrnehmung der eigenen Person wie auch darauf aus, wie man sich selbst begegnet.

Partizipation

Unter Partizipation beispielsweise im Rahmen einer demokratischen Unterrichtskultur lässt sich eine Mitwirkung verstehen, die bewusst als demokratisches Handeln reflektiert werden sollte. Zu beachten ist dabei, inwieweit Partizipation strukturell verankert ist und damit in gewissem Maße Verbindlichkeiten schaffen kann.

Plan de développement scolaire

Ziel ist es, dass jede Sekundarschule ihren eigenen Schulentwicklungsplan (Plan de développement scolaire, PDS) ausarbeitet und dessen Umsetzung selbst steuert. Der Prozess hat 2017 begonnen und ist auf drei Jahre angelegt. 2018 und 2019 soll jede Schule ihren Plan umsetzen, evaluieren und die Rückschlüsse in einen neuen Plan einfließen lassen, der ab dem Schuljahr 2020-2021 umgesetzt werden soll.

Portfolio

In einem Portfolio stellt der Lernende für ihn relevante Lernprodukte zusammen. Auf diese Weise erfolgt eine Dokumentation beispielsweise der fachlichen Weiterentwicklung, die begleitend zum (Projekt-)Unterricht vorgenommen wird. Im Rahmen einer partizipativen Unterrichtskultur werden Zielsetzungen der Portfolioarbeit gemeinsam ausgehandelt.

Subsidiaritätsprinzip

Nach dem Subsidiaritätsprinzip regeln staatliche Institutionen wie Schulen ihre Angelegenheiten – soweit möglich und sinnvoll – eigenverantwortlich. Dies rechtfertigt, dass Aufgaben zunächst auf Ebenen wie dem Klassenrat oder der Schülerversammlung selbstbestimmt bearbeitet werden, ehe Gremien wie die Schulkonferenz, Schulverwaltung oder Parlamente regulierend eingreifen.